Links hinten die Landzunge des Ballinacarriga Hills am Sonntag, 11. März 1984.
Absturzrichtung der Maschine. Der brennende Rumpf lag kurz vor dem Farmhaus. Im Hintergrund Dursey Island.
v.l.n.r.: Greg Dooley, Michael Maher, Michael Murphy.
Blick von Beobachtungshaus zum Aufschlagpunkt der Maschine; dort stehen die Personen.
v.l.n.r.: Michael Maher, Michael Murphy, Rolf Hölterhoff.

v.l.n.r.: Michael Maher, Greg Dooley, Michael Murphy.

An diese Stelle legte Michael Murphy die 4 toten deutschen Flieger.

Eine Propellernabe der JU 88 eingemauert in einen kleinen Steinwall. v.l.n.r.: Rolf Hölterhoff, Gemeindepfarrer Michael Maher und Michael Murphy, der Augenzeuge des Absturzes.

Blick von Beobachtungshaus zum Aufschlagpunkt der Maschine; dort stehen die Personen.
Blick vom Hügelkamm gegen die Flugrichtung der Maschine. Im Hintergrund links der White Ball Head und der Black Ball Head.
Blick vom Hügelkamm in die Absturzrichtung der Maschine. Links im Hintergrund die Insel Dursey (Dursey Island).
Blick vom Hügelkamm in die Absturzrichtung der Maschine. Links im Hintergrund die Insel Dursey (Dursey Island)
An dieser Stelle schlug die Maschine ein Stück aus dem Fels.
Links: die Armbanduhr liegt genau in einem der Einschläge der Maschine im Fels.
Der Ballinacarriga Hill mit Blick entgegen der Flugrichtung.
Der Friedhof von Bulloc Bee, Allihies/ Castletownbere mit Blick auf den Ballinacarriga Hill. Hier wurden die Gefallenen zuerst begraben.
Wrackteile der JU 88 D7+DK zurück in Deutschland.
Im September 1985 liegt der Ballinacarriga Hill wieder einmal im Nebel
Ende September 1985 stehen wir am neu errichteten Denkmal an der Seilbahnstation zur Dursey Insel. v.l.n.r.: Micheal Maher, Ilse und Hans Faßbender, Vroni Hölterhoff, Michael Murphy.
Die Gedenktafel am neuen Denkmal.
Rolf Hölterhoff und Michael Murphy vor der Gedenktafel am Farmhaus im September 1985.
Gedenktafel am Farmhaus im September 1985.

Grabstelle der 4 deutschen Flieger auf dem Soldatenfriedhof in Glencree; hier fanden die vier Deutschen nach der Umbettung ihre letzte Ruhe.

Mit dieser festliche geschmückten JU 88 D-1 wird in Nantes die Rückkehr vom 500. Wettererkundungs-Einsatz gefeiert.
Besatzungsmitglied Körber unterzeichnet nach der Rückkehr ein Dokument.
JU 88 D-1 Fernaufklärer der Wekusta 2 Ob.d.L.mit zusätzlicher Frontbewaffnung bestehend aus einem Zwillings-MG und einer Maschinenkanone.
JU 88 D-1 Fernaufklärer der Wekusta 2 Ob.d.L. im Flug 1943.
Der Leuchtturm "The Bull Rock" fotografiert aus einer JU 88 im Jahr 1943.
Blick bei guter Sicht vom Beobachtungsposten entgegen der Flugrichtung der D7+DK. Im Hintergrund rechts: die Halbinseln Black Ball Head und White Ball Head.

"The Bull Rock" bei guter Sicht aufgenommen aus einer Beechcraft KING AIR um ca. 1990.

Auf den Spuren Hans Auschners.

Solingen, 8.12.2008

Einer von Hans Auschners Großneffen ist Michael Voigt, wie wir in seiner “Vorgeschichte” sehen ; seine Cousine Anneli Klemm stieß im Jahr 2008 bei ihren Recherchen im Rahmen ihrer, mit großer Fachkenntnis vorangetriebenen Familien- und Ahnenforschungen auf den Namen von Hans Auschners Freundin Ruth Milde.

Anneli Klemm fand sie kürzlich in Nürnberg. Nach einigen Telefonaten flog Rolf Hölterhoff am frühen Vormittag des Mittwochs, 26.11.2008 in einer Linienmaschine vom Flughafen Köln nach Nürnberg. Dort traf er sich mit Michael Voigt, der aus Osnabrück anreiste und Anneli Klemm, die mit ihrem PKW aus Erfurt kam. Man sah sich so zum ersten Mal im Leben! Im Anschluß an das ausgiebige Frühstück fuhr die kleine “Truppe” zur Familie O. am Rande von Nürnberg. Nach herzlichem Empfang dort berichtete Ruth O. ausführlich über ihre Freundschaft mit Hans Auschner in jungen Jahren; sie hatte einige Tage zuvor eine Postsendung des Autors mit ausführlichen Unterlagen und Fotos erhalten und war so über den Hintergrund unseres Besuchs vorab bestens informiert.

Und so fand Rolf Hölterhoff nach dem Erstellen des ersten Unfallberichts und dem damaligen Abschluß der Recherchen nun doch noch nach fast 20 Jahren den Kontakt nicht nur zu direkten Verwandten von Hans Auschner, sondern auch zu einem Menschen, der ihm sehr nahestand, ihn noch persönlich kannte und der mit ihm sprach.

Dies macht mich sehr froh und auch ein bißchen glücklich; so hat meine umfangreiche Arbeit doch noch zu einem inzwischen nicht mehr erhofften Erfolg geführt.

Rolf Hölterhoff

Vorgeschichte:

Seit frühester Jugend trieb mich schon eine große Faszination für Luftfahrt. Ich erinnere mich noch schemenhaft daran, daß meine Eltern auf mein Betteln fast regelmäßig mit mir zum beschaulichen Flugplatz Osnabrück-Atterheide fuhren, damit ich die kleinen Einmots bei Start und Landung bewundern konnte.

Später hat mich dann immer mehr die militärische Luftfahrt und v.a. der Luftkrieg im 2. Welt-krieg interessiert. In den 80er Jahren war dieser in meiner Heimatstadt wieder allgegenwärtig. An allen Ecken und Enden fing man damals an, alte Bomben-Blindgänger aus dem Boden zu graben. Regelmäßig mußten wir bei den Entschärfungen unsere Wohnung verlassen, bis die Sirenen Entwarnung gaben. Wenn meine Freunde und ich damals im Wald spielten, wunderten wir uns immer über die vielen runden Bombentrichter, die noch aus Kriegszeiten stammten.

Noch vor der Wende habe ich in jedem Jahr einen Teil meiner Ferien bei meiner Verwandtschaft in Thüringen verbracht. Meine Mutter hatte nach der Flucht aus Oberschlesien meinen Vater dort kennengelernt und auch ihre Kindheit dort verbracht.

Ich kann mich daran erinnern, daß damals schon die Rede von einem Onkel Hans war, der mit seinem Flugzeug gegen einen Berg geflogen und abgestürzt sei. Mehr wußte niemand, obwohl ich damals schon viele Fragen stellte. Der Gedanke faszinierte mich sehr, daß ein (Groß)-Onkel von mir ein Pilot im Krieg war.

Viele Jahre dachte ich dann mangels weiterer Informationen nicht mehr über das Thema nach. Vor einigen Jahren (nach dem beendeten Wehrdienst bei der Luftwaffe) fing ich an, mich rege für die Geschichte der alten Fliegerhorste im Osnabrücker Land (Achmer, Hesepe, Vörden) zu interessieren. Bei Internetrecherchen stieß ich dabei auf das Forum der Website www.luftarchiv.de.

Eher aus Neugierde fragte ich dort im Sommer 2007 an, ob vielleicht jemand mehr über das Schicksal meines Großonkels Hans Auschner wisse, der abgestürzt sei, obwohl ich nicht glaubte, dort wirklich etwas zu erfahren. Zu meiner Überraschung verwies mich einer der „Experten“ auf einen Artikel im Jet/Prop-Magazin, Ausgabe 4/92, der das Schicksal der abgestürzten Maschine aufgriff. Wider Erwarten war dieses Magazin sogar noch nachzubestellen!! Irgendwie verwunderte mich jedoch dieser Artikel nach dem Lesen. Da hatte ein Autor aus Solingen, Rolf Hölterhoff, - ohne sichtbare Verbindung zu den verstorbenen Besatzungsmitgliedern - ein weit zurückliegendes Flugzeugunglück im 2. Weltkrieg minutiös nachrecherchiert, obwohl doch damals ständig und überall Flugzeuge abstürzten. Ich fragte mich, wie viel dieser Mann wirklich wußte und was seine Motivation zu der Recherche war. Und außerdem, so hoffte ich, konnte er mir möglicherweise etwas über meinen Großonkel und seinen Werdegang erzählen.

Das Problem war jedoch, daß dieser Artikel im Jet/Prop geschlagene 15 Jahre auf dem Buckel hatte. Auf den Fotos im Artikel war Rolf Hölterhoff zu sehen, ein fitter Mann, mittleren Alters. Die Fotos waren allerdings schon über 20 Jahre alt.

Über das Internet erfuhr ich, daß dieser Mann tatsächlich noch unter den Lebenden weilte und sogar über eine eigene Internetseite verfügte.

Irgendwann im Herbst 2008 nahm ich mir den Mut zusammen und rief den Herrn einfach an. In dem von ihm geschriebenen Artikel hieß es schließlich, daß sich Verwandte bzw. Angehörige der Besatzungsmitglieder bei ihm melden sollten...

Rolf Hölterhoff war gerade auf einer Messe in Düsseldorf und rief mich noch am gleichen Tag zurück. Völlig perplex erzählte er mir dabei, daß ich der bislang Einzige sei, der sich auf seinen Artikel bei ihm gemeldet habe. Seitdem pflegen wir einen freundschaftlichen Kontakt und tauschen regelmäßig Informationen aus. Rolf ließ mir dabei auch zahlreiche Unterlagen seiner damaligen Recherchen bzw. Wrackteile der abgestürzten Maschine zukommen. Ich versprach im Gegenzug, bei meiner Verwandtschaft nach einem Foto von Hans Auschner zu forschen

Durch meine Cousine Anneli erhielt ich hierbei unschätzbare Schützenhilfe. Im Rahmen ihres „Ahnenforschungsprojekt“ besuchte sie einen Neffen von Hans Auschner und bekam zahlreiche Fotos bzw. Feldpostbriefe von Hans zu sehen. Diese stellte sie mir in Kopie zur Verfügung.

Rolf und ich haben daraufhin beschlossen, zahlreichen Fehlinformationen im Internet entgegenzutreten und eine eigene Seite ins Internet zu stellen, die den Flugzeugabsturz und das Schicksal der Flugzeugbesatzung thematisiert. Vielleicht gelingt es uns damit, auch zu anderen Angehörigen bzw. Nachfahren der anderen Besatzungsmitglieder Kontakt herzustellen.

Michael Voigt

Hans Auschners Freundin Ruth Milde in jungen Jahren, ca. 1943.
Annelie Klemm im Gespräch mit Ruth und Robert O.Rolf Hölterhoff, Michael Voigt und Annelie Klemm im Hause O.
 
Ruth O. am 26.11.2008 in ihrem Haus. Rolf Hölterhoff im Gespräch mit Ruth O., der ehemaligen Freundin Hans Auschners im Alter von 83 Jahren.

Die folgenden Fotos stammen aus der Sammlung von A. Klemm.
Aufnahme von 2008. Aufnahme von 2008.
Hans Auschner war auf dem Flugplatz Finsterwalde im Januar 1943 stationiert. Das Gelände wird heute als Zivilflugplatz genutzt unter dem Namen “Lausitzflugplatz”. Man hat den Kontrollturm nach früherem Vorbild rekonstruiert. Sein Aussehen dürfte daher heute seinem Vorgänger aus der Kriegszeit sehr ähnlich sein.
 
Vom Sonntag, 3.1.1943 bis 4.2.1943 besucht Hans Auschner die Flugzeugführer Schule C 7 (FFS C 7) in Finsterwalde und fliegt dort zum letzten Mal am Mittwoch, 3.2.1943 zusammen mit einem Uffz. Lübke. Am 4.2.1943 fährt er nach Hause in Urlaub. Wieder zurück in Finsterwalde erhält er am Samstag, 13.2.1943 in der Flugzeugführerschule seinen Erweiterten Luftwaffen Flugzeuführersein (ELF). Dies wird dann abends im VICTORIA Hotel in Finsterwalde gefeiert.
Am Sonntag, 14.2.1943 fährt er von Finsterwalde nach Berlin, wo er abends das Cafe Mokka-Efti besucht.
Bahnhof Erfurt. Am Freitag, dem 9. April 1943 kommt Hans Auschner um 19.30 Uhr auf dem Bahnhof in Erfurt an.
Gelände und die Startbahn des ehem. Flugplatzes Alperstedt im November 2008. Überraschend und beeindruckend: ein Trupp rastender Kraniche hält sich dort auf.
Noch 2006 sind der Gleisanschluß und die Frachtrampe des ehem. Flugplatzes Alperstedt sichtbar.
Vom Bahnhof Erfurt fährt er um 20.33 Uhr weiter nach Großrudestedt und am gleichen Abend noch per LKW weiter zum Flugplatz nach Alperstedt.
Am Samstag, dem 10. April 1943 hielt sich Hans Auschner offenbar im Bürgerbräu in Erfurt auf. Offenbar lernte er am gleichen Tag im Landgasthof Schwansee in Schwansee eine junge Frau kennen, deren Vornamen er mit U. abkürzte.
Deutsches Haus in Großrudestedt im November 2008.
Landgasthof Schwansee in Großrudestedt im November 2008.
Am Sonntag, dem 11. April hielt er sich offenbar abends mit seiner neuen Bekannten Ursula im Deutschen Haus in Großrudestedt auf, und am Samstagabend, 1. Mai 1943 besucht Hans Auschner das Deutsche Haus offenbar ohne Begleitung. Am Donnerstag, 15. April 1943 und Montag, dem 28. April 1943 besuchte Hans Auschner zusammen mit Ursula in Schwansee vermutlich wieder den Landgasthof Schwansee in Schwansee.
Aufnahme von 1934.
Aufnahme von 1920.  
Am Samstag, dem 24. April 1943 sah Hans Auschner in der “Gastwirtschaft Riebeck Bier” den Spielfilm “Altes Herz wird wieder jung”.
Am Freitag, 21.5.1943 besichtigte Hans Auschner das ehemalige KdF-Schiff "Wilhelm-Gustloff" an seinem Liegeplatz in Gotenhafen. Dieses ehemalige Kreuzfahrtschiff war Schauplatz einer der größten Schiffskatastrophen in der Ostsee. Nach der Torpedierung durch ein russisches U-Boot kamen rund 9000 Menschen am 30.1.1945 ums Leben (siehe Wikipedia).

Im Verlauf meiner Recherchen schrieb mir das Bundesarchiv, Aachen am 19.9.1983 zum Werdegang von Hans Auschner (Zitat):

Auszug aus der Kartei der Flugzeugführer/Verluste (Lesefilm Nr. 123/1) hier: Abschrift der Karteikarte für Hans Auschner, geb. 24.11.1920: “Diensteintritt ist nicht vermerkt. Verpflichtung ist nicht vermerkt.”

Einheiten:
Datum fehltFlgzf.Sch. A/B 42
1.11.41Flgzf.Sch. C 7
Datum fehltKGr. z.b.V. 172
15.2.43Blindfl. Sch. 4
5.4.43Fernaufkl. Geschw. 101
Mai 1943I/Fernaufkl.Gr. Rahmel
Juli 1943Wekusta 2, Ob.d.L.

Am 23.7.43 galt A. als vermißt, lt.M. vom 26.7.43 als gefallen (Dublin). Ursache nicht verm.

Scheine: 1.11.41 L.F., 15.1.43 E.L.F und am 15.3.43 Blindflg.-Schein II.

* * *

Dies war mein Kenntnisstand bis ca. Ende 2008/Anfang 2009.

Erst seit Dezember 2008 ist es mir möglich, den Ausbildungs- und Lebensweg von Hans Auschner weiter zu verfolgen und anhand seiner eigenen Tagebuch-Aufzeichungen zu detailliert rekonstruieren. Das Tagebuch selbst sowie die persönlichen Fotos sind im Besitz eines Neffen von Hans Auschner und wurden von A. Klemm zugänglich gemacht.

Bereits vor dem 1.11.1941 besuchter er offenbar die Flugzeugführer Schule A/B 42. Diese Schule gab es ab 1.10.1941 bis 1942 unter der richtigen Bezeichnung FFS A/B 42 in Neustadt-Glewe und dann später in Langensalza.

Am 1.11.41 trat er dann in die Flugzeugführerschule C 7 (Richtige Bezeichnung FFS C 7) ein Finsterwalde ein, die sich dort von 1939 bis 1943 befand. Die vorliegenden Fotos sind damit Dokumente dieser Zeit. Zwischen dem 1.11.1941 und dem 1.1.1943 (dem Beginn seines Tagebuchs) wurde er dann zur I./KGr. z.b.V. 172 versetzt, die damals in Berlin-Tempelhof stationiert war. Hier soll er nach der Erinnerung seines Neffen bereits Einsätze an der Ostfront geflogen haben, so z.B. in den Kessel von Stalingrad und Demjansk. Dies konnte allerdings bis jetzt noch nicht zweifelsfrei belegt werden. Dazu liegen nun jedoch zumindest folgende Informationen vor, die Michael Voigt auf Nachfrage aus dem Internet erhielt; wir danken den dortigen Helfern und Autoren ausdrücklich.

Es heißt dort (Zitat):

“also können wir den Zeitraum "Ohne Datum [nach 11/1941 vor 2/1943 oder?]: K.Gr. z.b.V. 172..." eingrenzen und es "riecht" förmlich nach einer Kommandierung auf dem so genannten 'Kommandoweg' von der Flugzeugführerschule C 7 (FFS C 7) weg zur KGr.zbV.172. Das war zu der fraglichen Zeit nichts Ungewöhnliches. Auch, dass etliche junge FF noch keine Blindflugschule abgeschlossen hatten, wenn sie ad hoc zu den zbV.- Transportgruppen kommandiert wurden, das haben Karl Kössler (Transporter, wer kennt sie schon?) und andere beschrieben. Leider wurde eben gerade auf etwas wie 'Frontreife' kaum Rücksicht genommen!

Das Kommando hieß beispielsweise am 16.12.1942 "Alles was fliegen kann -- ohne Rücksicht auf Verluste!" Und das galt für "Roß & Reiter".

.../Abschluß der Ausbildung in einer Ergänzungsstaffel.../ ??? "auf dem sogenannten Kommandoweg" [Karl Kösslers Büchlein, S. 20].

Zitat: Was bedeutet dieser Ausdruck? Aus dem Bereich Chef des Ausbildungswesens, also vor allem von den C-Schulen, wurden Flugzeuge mit ihren Besatzungen abkommandiert, an einem Ort zusammengeholt und zu einer neuen Gruppe zusammengefaßt. Meist ging der gerade eben gebildete Verband wenige Tage nach seiner Aufstellung bereits in den Einsatz. Manche dieser so zusammengewürfelten Gruppen wurden unmittelbar nach dem Einsatz ebenso schnell wieder aufgelöst und Flugzeuge und Besatzungen an ihre Schulen zurückgeschickt.

Michael Voigt schreibt mir wohl zu Recht (Zitat): Rolf, ich wette mit Dir, daß H.A. ab dem 16.12.42 mit/bei der KG z.b.V. 172 (Kampfgruppe zur besonderen Verwendung) Einsätze an der Ostfront (Stalingrad) geflogen hat. Auschner wurde als guter Pilot auch ohne den E.L.F. (Erweiterter Luftwaffen Flugzeugführerschein) dorthin plötzlich aus dem Schulbetrieb abkommandiert -- die brauchten jeden Mann -- und die Einheit taucht nachweislich in den Verlustlisten auf. Der Neffe wird sich nicht ohne Grund daran erinnern, auch wenn er wegen der langen zeitlichen Distanz nicht mehr hundertprozentig sicher ist. Für mich steht das nach reiflicher Überlegung und Berücksichtigung aller erhaltenen Informationen nahezu fest, denn es paßt deutlich ins Bild.

* * *

Eindeutig wurde H.A. ab mindestens 1942 in Finsterwalde bis zum 13.2.1943 für den E.L.F. geschult; diesen “Erweiterten Luftwaffen Flugzeugführerschein” erhielt er am Samstag, 13. Februar 1943. Dies wurde offenbar abends im Hotel VICTORIA in Finsterwalde gefeiert. (Nach Finsterwalde kehrte er z.B. nach einem Wochenend-Urlaub am Sonntag, 3.1.1943 zurück. Sein letzter Flug in der FFS C 7 in Finsterwalde fand dann am Mittwoch, 3.2.1943 mit Uffz. Lübke statt.) Sodann ging es ab 14.2.43 über Warnemünde, Gedser nach Kopenhagen-Kastrup, wo er am 15.2.43 eintraf; hier befand sich die BSF 4 - Blindfl. Sch. 4 (Blindflug Schule 4). Es folgten dort weitere Schulungen bis zum Prüfflug am 14. März 1943 mit Ofw. Ruster. Der Tagebuch-Eintrag vom Vortag, Sonnabend, 13. März 1943, mit “letzter Flug mit Ofw.Münta(r?)” könnte darauf hindeuten, daß dieser Oberfeldwebel sein regulärer Fluglehrer war, der meist mit ihm flog. Am 18.3.43 fuhr Hans Auschner dann zurück in den Urlaub nach Hause (Oppeln). Sodann geht es am 6.4.1943 von Oppeln nach Großenhain/Sachsen zum Fernaufklärergeschwader 101, einer Schuleinheit; und von dort am 9.4.43 über Großrudestedt nach Alperstedt zum Flugplatz. Bis Ende April 1943 werden hier Trainingsflüge absolviert; bei einem extremen Tiefflug am letzten Tag, dem Donnerstag, 29.4.1943 “nimmt er eine Telefonleitung mit”. Dies bringt ihm offenbar ein sehr ernstes Gespräch mit einem vorgesetzten Hauptmann am 30.4.1943 ein; am Dienstag, 4. Mai 1943Tag erfolgt dann die Abfahrt über Erfurt nach Berlin.

Am 5.5.43 geht es von hier aus weiter über Stettin-Stolp-Gotenhafen nach Rahmel zur IV./Ergänzungs-Fernaufklärungsgruppe. Hier fand die Ergänzungsausbildung (See) der Fernaufklärer statt. Bis zum 20.5.43 fliegt Hans Auschner hier offenbar echte Einsätze gegen Geleitzüge auf der Ostsee und auch einige Trainingsflüge. Beim letzten Flug am frühen Morgen dieses Tages fährt das Fahrwerk der Maschine nicht ein und Hans Auschner muß den Flug abbrechen. Am Donnerstag, 21. Mai 1943 erhält er seine Versetzung zur Wekusta 2 Ob.d.L. in Nantes und fährt um 22.00 Uhr ab Danzig mit der Reichsbahn nach Berlin. Vom Anhalter Bahnhof geht es dann mit Zwischenaufenthalt in Paris und der Weiterfahrt vom Bahnhof Montparnasse am Montag, 24. Mai 1943 nach Nantes; dort begrüßt ihn Lt. Obermayer am Vormittag. Der Staffelführer, Oblt. Schmidt, empfängt ihn nachmittags. Bereits am Freitag, 28. Mai 1943 fliegt er mit Oblt. Schulze einen Platzflug. Bis zum Freitag, 23. Juli 1943 führt er nicht nur die in meinem Unfallbericht aufgeführten Flüge durch, sondern auch noch Überlandflüge und/oder Überführungsflüge. Fotos dokumentieren seine Zeit in dieser Staffel im Juni/Juli 1943. Sein letzter Tagebucheintrag am Mittwoch, 21. Juli 1943, lautet: “...Post an Seppl, Franz”. Zwei Tage später sterben Hans Auschner und seine Kameraden auf dem Kamm des Belinacarriga Hills an der Südwest-Küste Irlands in der Nähe der Ortschaft Allihies.

* * * * * *