Kurzer Abriß zur Geschichte der Gasbeleuchtung in Solingen

16. Oktober 1859:

die Gasbereitungsanstalt auf dem Malteserfeld wird eröffnet.

19. Oktober 1859:

89 Gaslaternen erstrahlen in Solingen zum erstem Mal!

27. Oktober 1859:

Die Einführung der Straßenbeleuchtung wird mit einem von der Stadt Solingen veranstalteten Fest gefeiert.

1. Oktober 1865:

In der Gemeinde Wald (Solingen-Wald) wird eine private Gasanstalt eröffnet; sie wird für die Einrichtung und den Erhalt der Gasbeleuchtung verantwortlich sein.

1866:

Somit brennen in Wald insgesamt 14 Gasleuchten.

1872:

Die öffentliche Gasbeleuchtung wird in der Gemeinde Merscheid (Solingen-Merscheid) eingeführt. In den folgenden Jahren übernehmen weitere an Solingen grenzende Gemeinden (seit 1929 eingemeindete Stadtteile von Solingen) die neue Gasbeleuchtung.

 

Die Bilder zeigen eine Gaslampe auf dem Bürgersteig des Hauses Merscheider Straße 120/Ecke Geibelstraße. Die Aufnahme dürfte in der Zeit um 1921 – 1925 entstanden sein nach dem Kauf des Hauses durch meinen Großvater Karl Bender. Es ist vermutlich die einzige Aufnahme dieser Qualität, die eine Gaslampe in Solingen zu jener Zeit zeigt.

 

1936:

Die Anzahl der Gaslampen in Solingen ist auf 3.195 Stck. gestiegen. Es sind 2.739 Kandelaber und 456 Wandarme. 2.100 Lampen werden per Fernzündung gezündet, 1095 per Zünduhren.

1938:

Mit 3445 Gasleuchten erreicht die Gasbeleuchtung in Solingen vor dem 2. Weltkrieg ihr Maximum.

1949:

Es beleuchten 1725 Gasleuchten die vom Krieg zerstörten Straßenzeilen spärlich.

1956:

Mit 2937 Gasleuchten erreicht die Gasbeleuchtung in der Großstadt Solingen ihren höchsten Stand nach dem Krieg.

1968:

Die Stadtwerke Solingen stellen die Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas um. Das Tiefbauamt nutzt die Gunst der Stunde und treibt entschlossen und schnell die Stillegung der Gasbeleuchtung voran. Mit Elan wird ab jetzt die öffentliche Gas-Beleuchtung Stück für Stück von diversen Elektro-Leuchten ersetzt. Selbst die einmalige Chance wird nicht genutzt, die traditionellen Gaslampen im pittoresken, uralten Ortskern von Solingen-Gräfath mit seinem Fachwerkhaus-Ensemble zu erhalten.
Die Philosophie des „noch schneller, noch höher, noch weiter, noch besser” lässt heute keinen Raum mehr für eine stil- und geschmackvolle Objektgestaltung in beeindruckender, historischer Umgebung. Trauriges Beispiel: der Zustand der ehemals prächtigen Gaslampen im historischen Stadtkern von Solingen-Gräfrath; elektrifiziert, als Verkehrs- und Werbeschildträger missbraucht, nur noch heruntergekommen und ungepflegt.

20. Oktober 1975:

An diesem Tag erlischt die letzte öffentliche Gaslampe in Solingen im Stadtteil Wald und wird demontiert.

Seitdem wird in Solingen jeweils eine Gaslampe an einem Wandarm und einem Mast auf einem privaten Grundstück betrieben. Die Geschichte dieser privaten Gasbeleuchtung schildert in seiner Erzählung „Der Lampenmast” der Autor Rolf Hölterhoff.

Die Daten zur öffentlichen Gasbeleuchtung in Solingen sind der Dokumentation „Nur der Mondschein kostet nichts” des Tiefbauamts der Stadt Solingen entnommen.